GIGA Focus Global

Gewerkschaften und Arbeitsmärkte in Entwicklungsländern

Number 7 | 2014 | ISSN: 1862-3581


  • Bei der Durchsetzung von Arbeitnehmerinteressen identifizieren viele Beobachter in den letzten Dekaden weltweit eine Schwächung von Arbeitnehmervertretungen.

    Analyse Ursachen für diese Schwächung sind die wirtschaftliche Globalisierung, der technologische Wandel und das Wachstum des Dienstleistungssektors zu Lasten der Industrie, die in eine zunehmende Prekarisierung von Arbeitsverhältnissen mündet. Diese Erkenntnisse wurden hauptsächlich aus der Analyse von Arbeitsmärkten in Industriestaaten gewonnen und lassen sich nicht ohne weiteres auf weniger entwickelte Volkswirtschaften übertragen.

    • Starke Gewerkschaften hatten in den etablierten Industriestaaten lange Zeit durchaus wohlfahrtssteigernde und demokratieförderliche Effekte. Dies gilt mit Abstrichen auch für weniger entwickelte Volkswirtschaften.

    • Arbeitsmärkte in weniger entwickelten Ländern sind anders strukturiert, weshalb eine einfache Übertragung der festgestellten Zusammenhänge zweifelhaft erscheint: Dazu zählen insbesondere der übergroße Anteil des informellen Wirtschaftssektors und von Kleinbetrieben in Entwicklungsländern, die gewerkschaftlich nie effektiv organisiert werden konnten, sowie die faktische Marginalität von Arbeitslosigkeit und die staatlichen Eingriffe in den Arbeitsmarkt und die Lohnfindung.

    • Gewerkschaften in Entwicklungsländern sind de facto gar nicht so schwach, wie oft unterstellt wird; die Lohnhöhe und -spreizung korreliert ebenso wie in den Industriestaaten mit dem Organisationsgrad.

    • Beschäftigungsschutz und Mindestlohngesetzgebung fungieren zudem als Substitut flächendeckender Tarifverträge; ihre beschäftigungsmindernden Effekte sind vergleichsweise gering.

    • Der Einfluss von Gewerkschaften auf Lohnhöhe und -spreizung wird von anderen Faktoren in den Schatten gestellt. Die Lohnquote sinkt seit Dekaden weltweit.


    Footnotes


      Bei der Durchsetzung von Arbeitnehmerinteressen identifizieren viele Beobachter in den letzten Dekaden weltweit eine Schwächung von Arbeitnehmervertretungen.

      Analyse Ursachen für diese Schwächung sind die wirtschaftliche Globalisierung, der technologische Wandel und das Wachstum des Dienstleistungssektors zu Lasten der Industrie, die in eine zunehmende Prekarisierung von Arbeitsverhältnissen mündet. Diese Erkenntnisse wurden hauptsächlich aus der Analyse von Arbeitsmärkten in Industriestaaten gewonnen und lassen sich nicht ohne weiteres auf weniger entwickelte Volkswirtschaften übertragen.

      • Starke Gewerkschaften hatten in den etablierten Industriestaaten lange Zeit durchaus wohlfahrtssteigernde und demokratieförderliche Effekte. Dies gilt mit Abstrichen auch für weniger entwickelte Volkswirtschaften.

      • Arbeitsmärkte in weniger entwickelten Ländern sind anders strukturiert, weshalb eine einfache Übertragung der festgestellten Zusammenhänge zweifelhaft erscheint: Dazu zählen insbesondere der übergroße Anteil des informellen Wirtschaftssektors und von Kleinbetrieben in Entwicklungsländern, die gewerkschaftlich nie effektiv organisiert werden konnten, sowie die faktische Marginalität von Arbeitslosigkeit und die staatlichen Eingriffe in den Arbeitsmarkt und die Lohnfindung.

      • Gewerkschaften in Entwicklungsländern sind de facto gar nicht so schwach, wie oft unterstellt wird; die Lohnhöhe und -spreizung korreliert ebenso wie in den Industriestaaten mit dem Organisationsgrad.

      • Beschäftigungsschutz und Mindestlohngesetzgebung fungieren zudem als Substitut flächendeckender Tarifverträge; ihre beschäftigungsmindernden Effekte sind vergleichsweise gering.

      • Der Einfluss von Gewerkschaften auf Lohnhöhe und -spreizung wird von anderen Faktoren in den Schatten gestellt. Die Lohnquote sinkt seit Dekaden weltweit.



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