GIGA Focus Nahost

Nur ein blaues Auge? Auswirkungen der internationalen Finanzkrise auf Nahost und Nordafrika

Nummer 4 | 2009 | ISSN: 1862-3611


  • Die internationale Finanzkrise hat den Nahen Osten und Nordafrika (Middle East and North Africa – MENA) ebenso wie die meisten anderen Entwicklungsländer völlig überraschend in einer längeren Phase weit überdurchschnittlich hohen Wachstums getroffen. Anders als in anderen Teilen der Welt könnten die meisten Entwicklungsländer in der MENA-Region aber mit einem blauen Auge davon kommen, wenn die Krise nicht zu lange andauert. Für die Industrieländer der Region, Israel und Türkei, gelten andere Ausgangsbedingungen, die mit der Situation der anderen Länder in keiner Weise vergleichbar sind. Deshalb sind beide Länder nicht Teil der vorliegenden Analyse.

    Analyse

    • Wie in anderen Weltregionen überträgt sich die Krise in der Region vor allem über den Rückgang der Waren- und Dienstleistungsexporte sowie über eine Verringerung der Gastarbeiterüberweisungen, während die Auswirkungen auf die lokalen Finanzmärkte eher begrenzt bleiben. Darüber hinaus müssen die Golfländer allerdings deutliche Verluste bei dem im Ausland angelegten Kapital hinnehmen.

    • Die nicht von Erdölausfuhren abhängigen MENA-Länder sind relativ schwach in den internationalen Handel und Kapitalverkehr integriert und bieten daher der Krise keine große Angriffsfläche.

    • Die Energieexporteure sind härter betroffen, weil der Erdölpreis stark eingebrochen ist. Sofern dieser nicht noch weiter sinkt, können die meisten die Krise dennoch für begrenzte Zeit überstehen. Dabei profitieren sie auch von den beträchtlichen finanziellen Rücklagen, die sie in den Jahren des Booms bilden konnten.

    • Bahrain, Dubai, Irak, Iran und Jemen sind die Hauptleidtragenden der Finanzkrise in der MENA-Region. Sie verfügen nicht über ausreichende Rücklagen und können ihre Staatsausgaben beim derzeitigen, niedrigen Erdölpreis nicht mehr finanzieren.

    • Obwohl die Region die Finanzkrise gerade deshalb gut überstehen kann, weil sie sich bisher dem Weltmarkt kaum geöffnet hat, sollten die MENA-Länder die Krise zum Anlass nehmen, um marktwirtschaftliche Reformen durchzuführen und Lösungen für ihre strukturellen Probleme zu finden, um so ihre Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen, ihre Abhängigkeit von wenigen Exportprodukten zu verringern und Beschäftigung für eine rapide wachsende Erwerbsbevölkerung zu schaffen.


    Fußnoten


      Die internationale Finanzkrise hat den Nahen Osten und Nordafrika (Middle East and North Africa – MENA) ebenso wie die meisten anderen Entwicklungsländer völlig überraschend in einer längeren Phase weit überdurchschnittlich hohen Wachstums getroffen. Anders als in anderen Teilen der Welt könnten die meisten Entwicklungsländer in der MENA-Region aber mit einem blauen Auge davon kommen, wenn die Krise nicht zu lange andauert. Für die Industrieländer der Region, Israel und Türkei, gelten andere Ausgangsbedingungen, die mit der Situation der anderen Länder in keiner Weise vergleichbar sind. Deshalb sind beide Länder nicht Teil der vorliegenden Analyse.

      Analyse

      • Wie in anderen Weltregionen überträgt sich die Krise in der Region vor allem über den Rückgang der Waren- und Dienstleistungsexporte sowie über eine Verringerung der Gastarbeiterüberweisungen, während die Auswirkungen auf die lokalen Finanzmärkte eher begrenzt bleiben. Darüber hinaus müssen die Golfländer allerdings deutliche Verluste bei dem im Ausland angelegten Kapital hinnehmen.

      • Die nicht von Erdölausfuhren abhängigen MENA-Länder sind relativ schwach in den internationalen Handel und Kapitalverkehr integriert und bieten daher der Krise keine große Angriffsfläche.

      • Die Energieexporteure sind härter betroffen, weil der Erdölpreis stark eingebrochen ist. Sofern dieser nicht noch weiter sinkt, können die meisten die Krise dennoch für begrenzte Zeit überstehen. Dabei profitieren sie auch von den beträchtlichen finanziellen Rücklagen, die sie in den Jahren des Booms bilden konnten.

      • Bahrain, Dubai, Irak, Iran und Jemen sind die Hauptleidtragenden der Finanzkrise in der MENA-Region. Sie verfügen nicht über ausreichende Rücklagen und können ihre Staatsausgaben beim derzeitigen, niedrigen Erdölpreis nicht mehr finanzieren.

      • Obwohl die Region die Finanzkrise gerade deshalb gut überstehen kann, weil sie sich bisher dem Weltmarkt kaum geöffnet hat, sollten die MENA-Länder die Krise zum Anlass nehmen, um marktwirtschaftliche Reformen durchzuführen und Lösungen für ihre strukturellen Probleme zu finden, um so ihre Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen, ihre Abhängigkeit von wenigen Exportprodukten zu verringern und Beschäftigung für eine rapide wachsende Erwerbsbevölkerung zu schaffen.



      Juliane Brach

      Former Doctoral Researcher


      Markus Loewe




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      GIGA Focus Lateinamerika | 1/2009

      Lateinamerika im Sog der Finanzkrise

      Prof. em. Dr. Hartmut Sangmeister

      GIGA Focus Global | 9/2008

      Japans Engagement in Afrika: Wendepunkt 2008?

      Nadine Burgschweiger

      Former Doctoral Researcher

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