GIGA Focus Global

Jugendliche als Seismograph gesellschaftlicher Problemlagen

Nummer 5 | 2011 | ISSN: 1862-3581


  • Jugendliche haben im Verlauf des Jahres 2011 weltweit in vielfältigen Kontexten und Formen protestiert. Trotz unterschiedlicher Manifestationen zwischen politischem Aufbruch — wie in Tunesien oder Chile — und destruktiver Gewalt — wie in London — eint sie die Sorge um den eigenen Platz in der Gesellschaft.

    Analyse Jugendliche werden in den unterschiedlichsten Gesellschaften als Problemgruppe wahrgenommen, obgleich es bislang an einer einheitlichen Definition für Jugendliche mangelt. Diese ausschließlich auf der Basis des Alters festzulegen, wäre irreführend, blieben doch andere Faktoren, wie z.B. die soziale Stellung, unberücksichtigt. Keine Kinder mehr, aber noch nicht in den Kreis der Erwachsenen aufgenommen, befinden sich Jugendliche sowohl körperlich als auch sozial in einer Phase des Übergangs. Sie begehren aus den unterschiedlichsten Gründen gegen etablierte Ordnungen und Autoritäten auf und hinterfragen bestehende Grenzen und Konventionen. Aber selbst unter sehr schwierigen politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen gehen Jugendliche erst dann massenhaft auf die Straße, wenn sie keine Perspektiven für den Übertritt ins Erwachsenenleben sehen. Die Formen ihres Protestes legen grundsätzliche gesellschaftliche Prozesse und Problemlagen offen.

    • Jugendliche wachsen mit Erwartungen für den Übergang ins Erwachsenenleben auf, die sich aufgrund des rapiden sozialen Wandels kaum mehr einlösen lassen.

    • Die Lebenswelten von Jugendlichen und ihre Probleme beim Eintritt ins Erwachsenenleben sind trotz aller Unterschiede weltweit vergleichbar.

    • Die Mobilisierung von Jugendlichen und die Formen ihres Protestes hängen eng mit Prozessen der Sozialisierung und Formen der Kohäsion einer Gesellschaft zusammen.

    • Ob und wie es Jugendlichen gelingt, zentrale Statuspassagen ins Erwachsenenleben zu bewältigen, kann als Frühwarnindikator für zentrale gesellschaftliche Probleme dienen.


    Fußnoten


      Jugendliche haben im Verlauf des Jahres 2011 weltweit in vielfältigen Kontexten und Formen protestiert. Trotz unterschiedlicher Manifestationen zwischen politischem Aufbruch — wie in Tunesien oder Chile — und destruktiver Gewalt — wie in London — eint sie die Sorge um den eigenen Platz in der Gesellschaft.

      Analyse Jugendliche werden in den unterschiedlichsten Gesellschaften als Problemgruppe wahrgenommen, obgleich es bislang an einer einheitlichen Definition für Jugendliche mangelt. Diese ausschließlich auf der Basis des Alters festzulegen, wäre irreführend, blieben doch andere Faktoren, wie z.B. die soziale Stellung, unberücksichtigt. Keine Kinder mehr, aber noch nicht in den Kreis der Erwachsenen aufgenommen, befinden sich Jugendliche sowohl körperlich als auch sozial in einer Phase des Übergangs. Sie begehren aus den unterschiedlichsten Gründen gegen etablierte Ordnungen und Autoritäten auf und hinterfragen bestehende Grenzen und Konventionen. Aber selbst unter sehr schwierigen politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen gehen Jugendliche erst dann massenhaft auf die Straße, wenn sie keine Perspektiven für den Übertritt ins Erwachsenenleben sehen. Die Formen ihres Protestes legen grundsätzliche gesellschaftliche Prozesse und Problemlagen offen.

      • Jugendliche wachsen mit Erwartungen für den Übergang ins Erwachsenenleben auf, die sich aufgrund des rapiden sozialen Wandels kaum mehr einlösen lassen.

      • Die Lebenswelten von Jugendlichen und ihre Probleme beim Eintritt ins Erwachsenenleben sind trotz aller Unterschiede weltweit vergleichbar.

      • Die Mobilisierung von Jugendlichen und die Formen ihres Protestes hängen eng mit Prozessen der Sozialisierung und Formen der Kohäsion einer Gesellschaft zusammen.

      • Ob und wie es Jugendlichen gelingt, zentrale Statuspassagen ins Erwachsenenleben zu bewältigen, kann als Frühwarnindikator für zentrale gesellschaftliche Probleme dienen.



      Prof. Dr. Sabine Kurtenbach

      Lead Research Fellow / Gesamtredaktion GIGA Focus Redaktion GIGA Focus Global

      T. +49 (0)40 - 428 25-570sabine.kurtenbach@giga-hamburg.de



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