GIGA Focus Global

Die Energiepolitik neuer regionaler Führungsmächte

Nummer 5 | 2007 | ISSN: 1862-3581


  • Nach Meinung von Experten sind Konflikte um knappe Ressourcen zwischen den aufsteigenden Volkswirtschaften untereinander und mit den etablierten Großmächten, speziell um Erdgas und Erdöl, gar nicht mehr auszuschließen. Hinweise darauf liefern die konkurrierenden Bestrebungen Chinas und Indiens, mit afrikanischen und zentralasiatischen Staaten fragwürdigen Charakters exklusive, bilaterale und langfristige Explorations- und Lieferverträge abzuschließen. Die Konfliktträchtigkeit dieser Ansätze wird von den Regierungen der Führungsmächte noch geleugnet, liegt aber auf der Hand. Ist der Energiehunger dieser Staaten wirklich so massiv, dass er durch marktgängige Verfahren nicht mehr befriedigt werden kann?

    Analyse: Mit dem rasanten Wirtschaftswachstum der Volksrepublik China und Indiens, aber auch anderer neuer regionaler Führungsmächte wie Brasilien und Südafrika geht ein sich intensivierender Konkurrenzkampf um Ressourcen, vor allem um Erdöl, einher. Bei dem Versuch, den Zugang zu energiepolitisch essenziellen Rohstoffen sicherzustellen, wählen diese vier Staaten trotz vergleichbarer Ausgangslage stark unterschiedliche Strategien:

    • Während China die drastischste Ressourcensicherungspolitik betreibt, stellt Südafrika mit einem fast ausschließlichen Vertrauen auf den freien Markt den Gegenpol dar. Indien nimmt eine mittlere Position dabei ein. Brasilien kommt aufgrund der Substituierungsstrategie durch Ethanol eine Sonderposition zu.

    • Die brasilianische und die südafrikanische Politik sind im Hinblick auf Energie wesentlich weniger konfliktreich als die Chinas und Indiens.

    • Die Konkurrenz um Erdöl birgt die Gefahr internationaler Konflikte. Erdöl macht zwar bei der Energie- und insbesondere der Stromerzeugung nicht den quantitativ größten Anteil aus, Kohle und Wasser sind jedoch kaum konfliktträchtige Energieträger.

    • Kriege um Energiequellen der neuen regionalen Führungsmächte untereinander oder sogar gegen Staaten der ersten Welt sind relativ unwahrscheinlich. Hingegen ist ein verstärktes militärisches Engagement Chinas und Indiens in ressourcenreichen Regionen auch in Zusammenarbeit mit Rebellen und autoritären Regimen zu erwarten.


    Fußnoten


      Nach Meinung von Experten sind Konflikte um knappe Ressourcen zwischen den aufsteigenden Volkswirtschaften untereinander und mit den etablierten Großmächten, speziell um Erdgas und Erdöl, gar nicht mehr auszuschließen. Hinweise darauf liefern die konkurrierenden Bestrebungen Chinas und Indiens, mit afrikanischen und zentralasiatischen Staaten fragwürdigen Charakters exklusive, bilaterale und langfristige Explorations- und Lieferverträge abzuschließen. Die Konfliktträchtigkeit dieser Ansätze wird von den Regierungen der Führungsmächte noch geleugnet, liegt aber auf der Hand. Ist der Energiehunger dieser Staaten wirklich so massiv, dass er durch marktgängige Verfahren nicht mehr befriedigt werden kann?

      Analyse: Mit dem rasanten Wirtschaftswachstum der Volksrepublik China und Indiens, aber auch anderer neuer regionaler Führungsmächte wie Brasilien und Südafrika geht ein sich intensivierender Konkurrenzkampf um Ressourcen, vor allem um Erdöl, einher. Bei dem Versuch, den Zugang zu energiepolitisch essenziellen Rohstoffen sicherzustellen, wählen diese vier Staaten trotz vergleichbarer Ausgangslage stark unterschiedliche Strategien:

      • Während China die drastischste Ressourcensicherungspolitik betreibt, stellt Südafrika mit einem fast ausschließlichen Vertrauen auf den freien Markt den Gegenpol dar. Indien nimmt eine mittlere Position dabei ein. Brasilien kommt aufgrund der Substituierungsstrategie durch Ethanol eine Sonderposition zu.

      • Die brasilianische und die südafrikanische Politik sind im Hinblick auf Energie wesentlich weniger konfliktreich als die Chinas und Indiens.

      • Die Konkurrenz um Erdöl birgt die Gefahr internationaler Konflikte. Erdöl macht zwar bei der Energie- und insbesondere der Stromerzeugung nicht den quantitativ größten Anteil aus, Kohle und Wasser sind jedoch kaum konfliktträchtige Energieträger.

      • Kriege um Energiequellen der neuen regionalen Führungsmächte untereinander oder sogar gegen Staaten der ersten Welt sind relativ unwahrscheinlich. Hingegen ist ein verstärktes militärisches Engagement Chinas und Indiens in ressourcenreichen Regionen auch in Zusammenarbeit mit Rebellen und autoritären Regimen zu erwarten.



      Sören Scholvin

      Ehemals Research Fellow




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