GIGA Focus Nahost

Oman: Quo vadis Märchensultanat?

Nummer 10 | 2014 | ISSN: 1862-3611


  • Sultan Qabus bin Sa‘id, Staatsoberhaupt des Oman, hält sich bereits seit Juli 2014 zur medizinischen Behandlung in Deutschland auf. Weder über seinen aktuellen Gesundheitszustand noch über den Zeitpunkt seiner Rückkehr liegen offizielle Informationen vor.

    Analyse Die politische Entscheidungsfindung erfolgt im Sultanat Oman maßgeblich durch den Herrscher. Sultan Qabus, der im Jahr 1970 seinen Vater entmachtet hatte, festigte den Oman als eine autoritäre Monarchie, die bis heute in der arabischen Welt als Synonym für Stabilität und relativen Wohlstand gilt.

    • Der Aufstieg des Oman in der Regentschaft von Qabus erscheint märchenhaft. Aus völliger Abgeschiedenheit hat sich das ethnisch und religiös vielfältige Land in den letzten 45 Jahren stabil entwickelt. Es ist zu einem beliebten Tourismusziel und einem angesehenen Vermittler auf internationalem Parkett geworden.

    • Dennoch kam es im Frühjahr 2011 auch im Oman zu landesweiten Protesten. Der Sultan reagierte mit einer Strategie aus Zuckerbrot und Peitsche. Zunächst erhöhte er die Löhne, schuf Arbeitsplätze, entließ Minister und erweiterte die Kompetenzen des Parlaments. Im Sommer 2011 begann das Regime allerdings, die Versammlungs- und Meinungsfreiheit einzuschränken. Die damals entstandene politisierte Zivilgesellschaft ist deshalb heute praktisch verschwunden.

    • Die Herausforderungen, vor denen das Sultanat steht, sind gewaltig: Der drastische Rückgang des Ölpreises im Jahr 2014 wird zu einem massiven Budgetdefizit in 2015 führen. Die Omanisierung des stark von Gastarbeitern geprägten Arbeitsmarktes kommt nur stockend voran. Mit Ausnahme des Tourismussektors gibt es keine überzeugende, vom Öl und Gas unabhängige ökonomische Entwicklungsstrategie.

    • Die starke Dominanz von Sultan Qabus macht die bisherige Regierungspolitik und die weitere Entwicklungsfähigkeit stark von seiner Person abhängig. Im Hinblick auf die Machtübergabe an seinen Nachfolger und die Zukunft des Oman sind daher weitere Reformen nötig: Die politische Entscheidungsfindung muss weiter institutionalisiert, die Wirtschaft jenseits der Öl- und Gasförderung gefördert und der Arbeitsmarkt im Privatsektor für Einheimische attraktiver gemacht werden.


    Fußnoten


      Sultan Qabus bin Sa‘id, Staatsoberhaupt des Oman, hält sich bereits seit Juli 2014 zur medizinischen Behandlung in Deutschland auf. Weder über seinen aktuellen Gesundheitszustand noch über den Zeitpunkt seiner Rückkehr liegen offizielle Informationen vor.

      Analyse Die politische Entscheidungsfindung erfolgt im Sultanat Oman maßgeblich durch den Herrscher. Sultan Qabus, der im Jahr 1970 seinen Vater entmachtet hatte, festigte den Oman als eine autoritäre Monarchie, die bis heute in der arabischen Welt als Synonym für Stabilität und relativen Wohlstand gilt.

      • Der Aufstieg des Oman in der Regentschaft von Qabus erscheint märchenhaft. Aus völliger Abgeschiedenheit hat sich das ethnisch und religiös vielfältige Land in den letzten 45 Jahren stabil entwickelt. Es ist zu einem beliebten Tourismusziel und einem angesehenen Vermittler auf internationalem Parkett geworden.

      • Dennoch kam es im Frühjahr 2011 auch im Oman zu landesweiten Protesten. Der Sultan reagierte mit einer Strategie aus Zuckerbrot und Peitsche. Zunächst erhöhte er die Löhne, schuf Arbeitsplätze, entließ Minister und erweiterte die Kompetenzen des Parlaments. Im Sommer 2011 begann das Regime allerdings, die Versammlungs- und Meinungsfreiheit einzuschränken. Die damals entstandene politisierte Zivilgesellschaft ist deshalb heute praktisch verschwunden.

      • Die Herausforderungen, vor denen das Sultanat steht, sind gewaltig: Der drastische Rückgang des Ölpreises im Jahr 2014 wird zu einem massiven Budgetdefizit in 2015 führen. Die Omanisierung des stark von Gastarbeitern geprägten Arbeitsmarktes kommt nur stockend voran. Mit Ausnahme des Tourismussektors gibt es keine überzeugende, vom Öl und Gas unabhängige ökonomische Entwicklungsstrategie.

      • Die starke Dominanz von Sultan Qabus macht die bisherige Regierungspolitik und die weitere Entwicklungsfähigkeit stark von seiner Person abhängig. Im Hinblick auf die Machtübergabe an seinen Nachfolger und die Zukunft des Oman sind daher weitere Reformen nötig: Die politische Entscheidungsfindung muss weiter institutionalisiert, die Wirtschaft jenseits der Öl- und Gasförderung gefördert und der Arbeitsmarkt im Privatsektor für Einheimische attraktiver gemacht werden.



      Dr. Thomas Richter

      Lead Research Fellow / Leitung Forschungsschwerpunkt "Politische Veranwortlichkeit und Partizipation" Redaktion GIGA Focus Nahost

      T. +49 (0)40 - 428 25-528thomas.richter@giga-hamburg.de



      Impressum

      Der GIGA Focus ist eine Open-Access-Publikation. Sie kann kostenfrei im Internet gelesen und heruntergeladen werden unter www.giga-hamburg.de/de/publikationen/giga-focus und darf gemäß den Bedingungen der Creative-Commons-Lizenz Attribution-No Derivative Works 3.0 frei vervielfältigt, verbreitet und öffentlich zugänglich gemacht werden. Dies umfasst insbesondere: korrekte Angabe der Erstveröffentlichung als GIGA Focus, keine Bearbeitung oder Kürzung.

      Das German Institute for Global and Area Studies (GIGA) – Leibniz-Institut für Globale und Regionale Studien in Hamburg gibt Focus-Reihen zu Afrika, Asien, Lateinamerika, Nahost und zu globalen Fragen heraus. Der GIGA Focus wird vom GIGA redaktionell gestaltet. Die vertretenen Auffassungen stellen die der Autorinnen und Autoren und nicht unbedingt die des Instituts dar. Die Verfassenden sind für den Inhalt ihrer Beiträge verantwortlich. Irrtümer und Auslassungen bleiben vorbehalten. Das GIGA und die Autorinnen und Autoren haften nicht für Richtigkeit und Vollständigkeit oder für Konsequenzen, die sich aus der Nutzung der bereitgestellten Informationen ergeben.

      Energy Research & Social Science | 07.2022

      Whither Rentierism Following the 2014 Oil Price Decline: Trajectories of Policy Adjustment in the Arab Gulf

      This paper looks at key trajectories of policy adjustment across member states of the Gulf Cooperation Council (GCC)—a region shaped by state-controlled income from exporting hydrocarbons—since 2014, the year in which the price of crude oil dropped significantly.

      Dr. Thomas Richter

      Lead Research Fellow / Leitung Forschungsschwerpunkt "Politische Veranwortlichkeit und Partizipation" Redaktion GIGA Focus Nahost

      29.04.2021

      Arabischer Frühling 10 Jahre danach

      Kooperationsveranstaltung Online event: 14.04.2021 - 01.07.2021 Organisation: German Institute for Global and Area Studies (GIGA), Universität Hamburg, Heinrich-Böll-Stiftung e.V., Academy in Exile

      Saudi Arabia & the United Arab Emirates: Spearheads of the Counterrevolution?

      04.11.2017

      Krise und Strukturwandel in den arabischen Golfstaaten

      GIGA Event 04.11.2017

      Benachrichtigungen

      Melden Sie sich hier für E-Mail-Benachrichtigungen zu GIGA-Aktivitäten an

      Soziale Medien

      Folgen Sie uns