GIGA Focus Lateinamerika

Zentralamerika: Die Remesa-Ökonomie offenbart ihre Schwächen

Nummer 6 | 2009 | ISSN: 1862-3573


  • Die Krise ist da. Die Ökonomien in den USA und Zentralamerika schrumpfen und erstmals seit den 1990er Jahren sinkt auch die Summe der Geldüberweisungen (Remesas), welche Migranten den in den Herkunftsregionen verbliebenen Familienmitgliedern aus den USA, Europa und anderen Ländern senden. Für viele Menschen in Zentralamerika bedeutet das eine Katastrophe. Die Wirtschaftskrise bietet Anlass, das häufig sehr positiv bewertete System der Remesas einer kritischen Revision zu unterziehen.

    Analyse Auf den ersten Blick scheint der Fluss der Remesas den zentralamerikanischen Ökonomien zu nutzen. Die aus politischer Not zu Zeiten der Bürgerkriege geborenen Flüchtlingsströme in den Norden haben sich zum Exportschlager Nummer eins entwickelt, und auf günstige Arbeitsmigranten aus Zentralamerika wollen auch viele US-Unternehmen nicht mehr verzichten. Die aktuelle Krise offenbart aber, dass die Remesa-Ökonomien keineswegs ihre wirtschaftlichen und sozialen Probleme in den Griff bekommen haben. Die optimistische Debatte über den makroökonomischen Nutzen der Rücküberweisungen hat in den vergangenen Jahren sowohl die nach wie vor katastrophalen sozialen Bedingungen der Migration als auch negative wirtschaftspolitische Effekte überdeckt.

    • Remesas haben neben kurzfristig positiven Effekten eine negative Langzeitwirkung auf die zentralamerikanischen Ökonomien.

    • Viele Wirtschaftswissenschaftler kritisieren, dass in den zentralamerikanischen Volkswirtschaften mehr konsumiert als produziert wird.

    • Zudem besteht eine starke Abhängigkeit von wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen in den Zielländern der Migration, auf welche die von Remesas abhängigen Herkunftsländer keinen Einfluss haben.

    • Akteure der zentralamerikanischen Zivilgesellschaft sowie Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler fordern von der Politik bei der Verteidigung der Rechte der Migranten und dem Gestalten gesellschaftlicher Alternativen eine proaktive Rolle einzunehmen.


    Fußnoten


      Die Krise ist da. Die Ökonomien in den USA und Zentralamerika schrumpfen und erstmals seit den 1990er Jahren sinkt auch die Summe der Geldüberweisungen (Remesas), welche Migranten den in den Herkunftsregionen verbliebenen Familienmitgliedern aus den USA, Europa und anderen Ländern senden. Für viele Menschen in Zentralamerika bedeutet das eine Katastrophe. Die Wirtschaftskrise bietet Anlass, das häufig sehr positiv bewertete System der Remesas einer kritischen Revision zu unterziehen.

      Analyse Auf den ersten Blick scheint der Fluss der Remesas den zentralamerikanischen Ökonomien zu nutzen. Die aus politischer Not zu Zeiten der Bürgerkriege geborenen Flüchtlingsströme in den Norden haben sich zum Exportschlager Nummer eins entwickelt, und auf günstige Arbeitsmigranten aus Zentralamerika wollen auch viele US-Unternehmen nicht mehr verzichten. Die aktuelle Krise offenbart aber, dass die Remesa-Ökonomien keineswegs ihre wirtschaftlichen und sozialen Probleme in den Griff bekommen haben. Die optimistische Debatte über den makroökonomischen Nutzen der Rücküberweisungen hat in den vergangenen Jahren sowohl die nach wie vor katastrophalen sozialen Bedingungen der Migration als auch negative wirtschaftspolitische Effekte überdeckt.

      • Remesas haben neben kurzfristig positiven Effekten eine negative Langzeitwirkung auf die zentralamerikanischen Ökonomien.

      • Viele Wirtschaftswissenschaftler kritisieren, dass in den zentralamerikanischen Volkswirtschaften mehr konsumiert als produziert wird.

      • Zudem besteht eine starke Abhängigkeit von wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen in den Zielländern der Migration, auf welche die von Remesas abhängigen Herkunftsländer keinen Einfluss haben.

      • Akteure der zentralamerikanischen Zivilgesellschaft sowie Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler fordern von der Politik bei der Verteidigung der Rechte der Migranten und dem Gestalten gesellschaftlicher Alternativen eine proaktive Rolle einzunehmen.



      Torge Löding




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      GIGA Working Papers | 05.2007

      African Migration to Europe: Obscured Responsibilities and Common Misconceptions

      Dirk Kohnert

      Ehemals Research Fellow

      GIGA Working Papers | 12.2008

      Bringing Hirschman Back In: Conceptualizing Transnational Migration as a Reconfiguration of “Exit”, “Voice”, and “Loyalty”

      Prof. Dr. Bert Hoffmann

      Lead Research Fellow / Leitung GIGA Berlin Büro Redaktion GIGA Focus Lateinamerika

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