GIGA Focus Global

Aufstieg der Netzwerkmächte

Nummer 2 | 2011 | ISSN: 1862-3581


  • Brasilien, China, Indien und Südafrika zeigten sich laut den Worten des indischen Umweltministers mit den Ergebnissen der UN-Klimakonferenz in Cancún (Mexiko) im Dezember 2010 "sehr zufrieden". Im Vorfeld dieses Gipfels hatten sich die vier Staaten auf nicht verhandelbare Bedingungen für ihre Beteiligung an neuen Klimaabkommen verständigt.

    Analyse Aufstrebende Mächte kooperieren nicht nur bei globalen Klimaverhandlungen. In den letzten Jahren haben sie unterschiedliche außenpolitische Netzwerke gegründet und so ihre Gestaltungsmöglichkeiten in der globalen Ordnungspolitik erweitert. Demnach resultiert der gewachsene weltpolitische Einfluss der neuen Mächte nicht allein aus dem relativen Anstieg der materiellen Ressourcen in diesen Ländern, sondern ist zudem ein Ergebnis der aktiven Außenpolitik in Form innovativer Netzwerkdiplomatie.

    • Zwischenstaatliche Lobbynetzwerke dienen als Plattformen für Konsultationen und Koordination. Sie bündeln die Macht von Netzwerkmächten wie Brasilien, China, Indien und Südafrika in globalen Verhandlungsprozessen.

    • Die Netzwerkdiplomatie der aufstrebenden Mächte besticht durch Flexibilität. Je nach Politikfeld und Interessenlage nutzen sie unterschiedliche Netzwerke. Ein Politikfelder übergreifender oder werteorientierter Konsens ist nicht erforderlich.

    • Intergouvernementale Netzwerke werden die Kultur der internationalen Beziehungen des 21. Jahrhunderts nachhaltig prägen. Diese Kultur der Informalität bei nahezu absoluter Wahrung nationaler Souveränität stattet Netzwerkmächte in globalen Verhandlungen mit hohen Autonomiegraden aus.

    • Die Staaten mit den meisten interessengestützten Verbindungen werden in einer vernetzten Weltordnung die einflussreichsten sein. Etablierte Mächte wie Deutschland sind bei der Nutzung von Netzwerkressourcen in Rückstand geraten und sollten verstärkt anstreben, neue Netzwerke in verschiedenen Politikfeldern aufzubauen, um ihre Interessen durchzusetzen.


    Fußnoten


      Brasilien, China, Indien und Südafrika zeigten sich laut den Worten des indischen Umweltministers mit den Ergebnissen der UN-Klimakonferenz in Cancún (Mexiko) im Dezember 2010 "sehr zufrieden". Im Vorfeld dieses Gipfels hatten sich die vier Staaten auf nicht verhandelbare Bedingungen für ihre Beteiligung an neuen Klimaabkommen verständigt.

      Analyse Aufstrebende Mächte kooperieren nicht nur bei globalen Klimaverhandlungen. In den letzten Jahren haben sie unterschiedliche außenpolitische Netzwerke gegründet und so ihre Gestaltungsmöglichkeiten in der globalen Ordnungspolitik erweitert. Demnach resultiert der gewachsene weltpolitische Einfluss der neuen Mächte nicht allein aus dem relativen Anstieg der materiellen Ressourcen in diesen Ländern, sondern ist zudem ein Ergebnis der aktiven Außenpolitik in Form innovativer Netzwerkdiplomatie.

      • Zwischenstaatliche Lobbynetzwerke dienen als Plattformen für Konsultationen und Koordination. Sie bündeln die Macht von Netzwerkmächten wie Brasilien, China, Indien und Südafrika in globalen Verhandlungsprozessen.

      • Die Netzwerkdiplomatie der aufstrebenden Mächte besticht durch Flexibilität. Je nach Politikfeld und Interessenlage nutzen sie unterschiedliche Netzwerke. Ein Politikfelder übergreifender oder werteorientierter Konsens ist nicht erforderlich.

      • Intergouvernementale Netzwerke werden die Kultur der internationalen Beziehungen des 21. Jahrhunderts nachhaltig prägen. Diese Kultur der Informalität bei nahezu absoluter Wahrung nationaler Souveränität stattet Netzwerkmächte in globalen Verhandlungen mit hohen Autonomiegraden aus.

      • Die Staaten mit den meisten interessengestützten Verbindungen werden in einer vernetzten Weltordnung die einflussreichsten sein. Etablierte Mächte wie Deutschland sind bei der Nutzung von Netzwerkressourcen in Rückstand geraten und sollten verstärkt anstreben, neue Netzwerke in verschiedenen Politikfeldern aufzubauen, um ihre Interessen durchzusetzen.



      Dr. Daniel Flemes

      Ehemals Senior Research Fellow

      T. +49 (0)40 - 428 25-767daniel.flemes@giga-hamburg.de

      Sören Scholvin

      Ehemals Research Fellow





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