GIGA Focus Asien

Indien und die EU: Die Scharade einer strategischen Partnerschaft

Nummer 5 | 2006 | ISSN: 1862-359X


  • Anfang April haben die EU und Indien in Neu-Delhi eine Absichtserklärung zur Kooperation im Bereich Energie unterzeichnet. Dieses Ereignis war aber nur ein Nebenschauplatz der internationalen Politik: Während die USA und ASEAN+3 für Indien immer wichtiger werden, verliert die EU immer mehr an Bedeutung.

    Analyse: Indien hat sich in den vergangenen Jahren zu einer bedeutenden ökonomischen und politischen Führungsmacht in Asien entwickelt. Während die wirtschaftliche und militärische Kooperation zwischen Indien, der ASEAN+3 und den Vereinigten Staaten zunehmend enger wird, gerät die EU immer stärker ins Hintertreffen. Trotz zahlreicher Bemühungen, die Zusammenarbeit zu intensivieren, fällt die Bilanz bisher eher nüchtern aus:

    • In großen Teilen der indischen Elite wächst die Gleichgültigkeit gegenüber Europa. Zum einen sind die Beziehungen zur EU noch immer vom Erbe der Kolonialzeit belastet, zum anderen wird die EU aufgrund ihrer ökonomischen Probleme und ihrer mangelnden politischen Geschlossenheit auf dem internationalen Parkett nicht als bedeutender Akteur wahrgenommen.

    • Der traditionelle Multilateralismus Indiens wird zunehmend durch das Streben nach einer internationalen Führungsrolle ersetzt. Diese Ambition Indiens kommt am deutlichsten in der kürzlich vereinbarten Kooperation im Nuklearsektor mit den USA zum Ausdruck. Die europäische Vision einer multipolaren Weltordnung wird von Indien nur bedingt unterstützt.

    • Trotzdem ist Indien für die EU ein wichtiger strategischer Partner. Um den Graben zwischen beiden Seiten wieder zu schließen, sollte die EU erstens geschlossen auftreten, zweitens in ihrer Diplomatie die Balance zwischen China und Indien wahren und drittens mit Indien vor allem auf dem Gebiet der Hochtechnologie zusammenarbeiten.


    Fußnoten




      Dr. Christophe Jaffrelot

      Dr. Christophe Jaffrelot

      Centre d’Études et de Recherches Internationales, SciencesPo




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