GIGA Focus Nahost

Desertec: Wirtschaftliche Dynamik und politische Stabilität durch Solarkraft?

Nummer 11 | 2009 | ISSN: 1862-3611


  • Im Juli 2009 stellten Vertreter großer deutscher Unternehmen, allen voran die Münchener Rück, das Projekt Desertec vor. Durch Solar- und Windkraftanlagen in der MENA-Region (Middle East & North Africa) sollen bis zum Jahr 2050 15 Prozent des EU-weiten Strombedarfs gedeckt werden. Den MENA-Staaten wurden wirtschaftliche Dynamik auf Grundlage umweltfreundlicher Technologien und politische Stabilität durch Anbindung an die EU in Aussicht gestellt.

    Analyse Das Desertec-Projekt weckt hohe Erwartungen für die Entwicklung der MENA-Region.

    • Ob Desertec in dem geplanten Umfang realisiert werden kann, ist jedoch fraglich. Dagegen sprechen zunächst technische und wirtschaftliche Hindernisse. Die Über­tra­gungsverluste über mehrere Tausend Kilometer sind beträchtlich. Solar- und Wind­kraft verfügen in Mitteleuropa über konkurrenzfähige Pro­duktionsbedingungen. Zudem wird die instabile Sicherheitslage in vielen MENA-Staaten – vor allem die Gefahr terroristischer Anschläge – die Umsetzung des Projektes behindern.

    • Selbst wenn Desertec umgesetzt wird, dürften substanzielle wirtschaftliche und politische Vorteile für die MENA-Region ausbleiben. Desertec ist von Planung und Finanzierung über Bau und Wartung bis hin zur Nutzung ein von europäischen Konzernen dominiertes Vorhaben, das dem Ziel dient, Europas Energieversorgung zu diversifizieren und ressourcenunabhängig zu machen.

    • Höchstens die arabischen Golfstaaten, aber kaum die Länder Nordafrikas und der Levante-Region können in Schlüsselpositionen teilhaben. Positive Entwicklungs­effekte für die MENA-Staaten sind daher nur sehr begrenzt und fast ausschließlich für die ohnehin Wohlhabenden unter ihnen zu erwarten.


    Fußnoten


      Im Juli 2009 stellten Vertreter großer deutscher Unternehmen, allen voran die Münchener Rück, das Projekt Desertec vor. Durch Solar- und Windkraftanlagen in der MENA-Region (Middle East & North Africa) sollen bis zum Jahr 2050 15 Prozent des EU-weiten Strombedarfs gedeckt werden. Den MENA-Staaten wurden wirtschaftliche Dynamik auf Grundlage umweltfreundlicher Technologien und politische Stabilität durch Anbindung an die EU in Aussicht gestellt.

      Analyse Das Desertec-Projekt weckt hohe Erwartungen für die Entwicklung der MENA-Region.

      • Ob Desertec in dem geplanten Umfang realisiert werden kann, ist jedoch fraglich. Dagegen sprechen zunächst technische und wirtschaftliche Hindernisse. Die Über­tra­gungsverluste über mehrere Tausend Kilometer sind beträchtlich. Solar- und Wind­kraft verfügen in Mitteleuropa über konkurrenzfähige Pro­duktionsbedingungen. Zudem wird die instabile Sicherheitslage in vielen MENA-Staaten – vor allem die Gefahr terroristischer Anschläge – die Umsetzung des Projektes behindern.

      • Selbst wenn Desertec umgesetzt wird, dürften substanzielle wirtschaftliche und politische Vorteile für die MENA-Region ausbleiben. Desertec ist von Planung und Finanzierung über Bau und Wartung bis hin zur Nutzung ein von europäischen Konzernen dominiertes Vorhaben, das dem Ziel dient, Europas Energieversorgung zu diversifizieren und ressourcenunabhängig zu machen.

      • Höchstens die arabischen Golfstaaten, aber kaum die Länder Nordafrikas und der Levante-Region können in Schlüsselpositionen teilhaben. Positive Entwicklungs­effekte für die MENA-Staaten sind daher nur sehr begrenzt und fast ausschließlich für die ohnehin Wohlhabenden unter ihnen zu erwarten.



      Sören Scholvin

      Ehemals Research Fellow




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      Lead Research Fellow / Leitung Forschungsschwerpunkt "Politische Veranwortlichkeit und Partizipation" Redaktion GIGA Focus Nahost

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      Juliane Brach

      Former Doctoral Researcher

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