GIGA Focus Lateinamerika

Kolumbien – der weite Weg zu Kriegsbeendigung und Frieden

Nummer 11 | 2012 | ISSN: 1862-3573


  • Kolumbiens Regierung und die Guerillagruppe FARC verhandeln seit 19. November 2012 in Havanna über die Beendigung des letzten und ältesten Krieges Lateinamerikas.

    Analyse In den vergangenen beiden Jahrzehnten wurden zahlreiche Kriege in Lateinamerika am Verhandlungstisch beendet. Guerillagruppen haben sich in Parteien transformiert, sitzen in Parlamenten und teilweise sogar in Regierungen. Die Erfahrungen in Zentralamerika sowie früherer Initiativen in Kolumbien selbst zeigen aber auch, welche gewichtigen Stolpersteine es bei Friedensverhandlungen aus dem Weg zu räumen gilt. Dazu gehören Fragen des Procedere, der Bearbeitung zentraler Konfliktursachen und der Umgang mit der Kriegsgewalt.

    • Entgegen den Forderungen nach möglichst breiter Beteiligung an Friedensverhandlungen haben in Lateinamerika eher Elitenpakte zur Unterzeichnung von Abkommen geführt.

    • Kriegsbeendigung und institutionelle Reformen haben vielfach die politische Partizipation zuvor ausgeschlossener Bevölkerungsgruppen ermöglicht, aber nur begrenzt zur Verringerung sozialer Ungleichheit beigetragen.

    • Im Falle Kolumbiens stellen Regierung und FARC die Lage im ländlichen Raum an den Anfang der Verhandlungsagenda. Die ländliche Konfliktdynamik lässt sich aber nicht auf den traditionellen Gegensatz zwischen Großgrundbesitz und Kleinbauern reduzieren, sondern umfasst auch Veränderungen der Landnutzung.

    • Die Frage des Umgangs mit der Kriegsgewalt ist durch die Existenz des internationalen Strafgerichtshofs wesentlich komplizierter geworden, weil damit traditionelle "gentlemen‘s agreements" (Demobilisierung gegen Amnestie) faktisch ausgeschlossen sind.

    • Ein Ende von Krieg schafft noch nicht automatisch Frieden, sondern kann auch zur Verlagerung der Gewalt aus dem politischen Raum führen. Nachhaltiger Frieden hängt vor allem vom Willen der beteiligten Eliten zu grundlegenden sozialen Reformen ab.


    Fußnoten


      Kolumbiens Regierung und die Guerillagruppe FARC verhandeln seit 19. November 2012 in Havanna über die Beendigung des letzten und ältesten Krieges Lateinamerikas.

      Analyse In den vergangenen beiden Jahrzehnten wurden zahlreiche Kriege in Lateinamerika am Verhandlungstisch beendet. Guerillagruppen haben sich in Parteien transformiert, sitzen in Parlamenten und teilweise sogar in Regierungen. Die Erfahrungen in Zentralamerika sowie früherer Initiativen in Kolumbien selbst zeigen aber auch, welche gewichtigen Stolpersteine es bei Friedensverhandlungen aus dem Weg zu räumen gilt. Dazu gehören Fragen des Procedere, der Bearbeitung zentraler Konfliktursachen und der Umgang mit der Kriegsgewalt.

      • Entgegen den Forderungen nach möglichst breiter Beteiligung an Friedensverhandlungen haben in Lateinamerika eher Elitenpakte zur Unterzeichnung von Abkommen geführt.

      • Kriegsbeendigung und institutionelle Reformen haben vielfach die politische Partizipation zuvor ausgeschlossener Bevölkerungsgruppen ermöglicht, aber nur begrenzt zur Verringerung sozialer Ungleichheit beigetragen.

      • Im Falle Kolumbiens stellen Regierung und FARC die Lage im ländlichen Raum an den Anfang der Verhandlungsagenda. Die ländliche Konfliktdynamik lässt sich aber nicht auf den traditionellen Gegensatz zwischen Großgrundbesitz und Kleinbauern reduzieren, sondern umfasst auch Veränderungen der Landnutzung.

      • Die Frage des Umgangs mit der Kriegsgewalt ist durch die Existenz des internationalen Strafgerichtshofs wesentlich komplizierter geworden, weil damit traditionelle "gentlemen‘s agreements" (Demobilisierung gegen Amnestie) faktisch ausgeschlossen sind.

      • Ein Ende von Krieg schafft noch nicht automatisch Frieden, sondern kann auch zur Verlagerung der Gewalt aus dem politischen Raum führen. Nachhaltiger Frieden hängt vor allem vom Willen der beteiligten Eliten zu grundlegenden sozialen Reformen ab.



      Prof. Dr. Sabine Kurtenbach

      Lead Research Fellow / Gesamtredaktion GIGA Focus Redaktion GIGA Focus Global

      T. +49 (0)40 - 428 25-570sabine.kurtenbach@giga-hamburg.de



      Impressum

      Der GIGA Focus ist eine Open-Access-Publikation. Sie kann kostenfrei im Internet gelesen und heruntergeladen werden unter www.giga-hamburg.de/de/publikationen/giga-focus und darf gemäß den Bedingungen der Creative-Commons-Lizenz Attribution-No Derivative Works 3.0 frei vervielfältigt, verbreitet und öffentlich zugänglich gemacht werden. Dies umfasst insbesondere: korrekte Angabe der Erstveröffentlichung als GIGA Focus, keine Bearbeitung oder Kürzung.

      Das German Institute for Global and Area Studies (GIGA) – Leibniz-Institut für Globale und Regionale Studien in Hamburg gibt Focus-Reihen zu Afrika, Asien, Lateinamerika, Nahost und zu globalen Fragen heraus. Der GIGA Focus wird vom GIGA redaktionell gestaltet. Die vertretenen Auffassungen stellen die der Autorinnen und Autoren und nicht unbedingt die des Instituts dar. Die Verfassenden sind für den Inhalt ihrer Beiträge verantwortlich. Irrtümer und Auslassungen bleiben vorbehalten. Das GIGA und die Autorinnen und Autoren haften nicht für Richtigkeit und Vollständigkeit oder für Konsequenzen, die sich aus der Nutzung der bereitgestellten Informationen ergeben.

      12.11.2019

      Fachgespräch Friedensentwicklung in Kolumbien, Berlin (Bundestag, FES u.a.)

      Friedrich-Ebert-Stiftung, Zentrale Berlin Berlin: 12.11.2019

      GIGA Focus Lateinamerika | 6/2014

      Kolumbien: der Kongress und die Friedensverhandlungen

      Daniel Quiroga

      Bulletin of Latin American Research | 2012

      Private Security in Guatemala: Pathway to Its Proliferation

      Otto Argueta

      Former Doctoral Researcher

      Benachrichtigungen

      Melden Sie sich hier für E-Mail-Benachrichtigungen zu GIGA-Aktivitäten an

      Soziale Medien

      Folgen Sie uns