GIGA Focus Nahost

Die Muslimbruderschaft und der Widerstand gegen eine dynastische Erbfolge in Ägypten

Nummer 5 | 2009 | ISSN: 1862-3611


  • In Ägypten werden hinter den Kulissen die Weichen für eine Erbfolge durch Gamal Mubarak gestellt. Die größte Herausforderung für den Sohn des amtierenden Präsidenten sind die Muslimbrüder, die bei den letzten Wahlen 2005 einen überraschenden Erfolg erzielten. Seitdem versuchen die Muslimbrüder sich als politische Kraft zu profilieren. Im August 2007 legten sie den Entwurf zu einem Parteiprogramm vor, das erstmals umfassend politische Grundpositionen der Organisation dokumentiert.

    Analyse

    • Die Muslimbrüder haben sich für den Weg der politischen Integration über demokratische Wahlen und die Anerkennung rechtsstaatlicher Prinzipien entschieden.

    • Die soziale Basis der Muslimbrüder ist das ägyptische Bürgertum. Politische Debatten innerhalb der Muslimbruderschaft spiegeln Positionen wichtiger Segmente der akademisch gebildeten Mittelschichten wider.

    • Das Parteiprogramm schlägt einen nicht immer widerspruchsfreien Mittelweg ein zwischen dem Bekenntnis zu demokratischen Prinzipien und der fundamental-isla­mischen Position.

    • Dies ist jedoch nicht allein für die Muslimbrüder charakteristisch. Auch das ägyptische Regime bemüht sich, ein Gegengewicht zu den Muslimbrüdern zu schaffen, indem es extrem konservative islamische Strömungen fördert, und trägt dadurch seinerseits zur Islamisierung der Gesellschaft bei.

    • Inzwischen versucht das Regime, mittels neuer "Reform"projekte und durch direkte Repression die Muslimbruderschaft wieder aus dem politischen System zu verdrängen. Dies hat konservative Kräfte innerhalb der Organisation gestärkt und die Reformdebatte innerhalb der Organisation vorläufig beendet.

    • Die Krise der Muslimbruderschaft ist jedoch Teil einer größeren Legitimationskrise des ägyptischen politischen Systems.


    Fußnoten




      Ivesa Lübben




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      GIGA Focus Nahost | 12/2008

      Autoritarismus von unten: Lokale Politik in Ägypten

      Prof. Dr. Cilja Harders

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