GIGA Focus Nahost

Islamismus und die Krise der autoritären arabischen Regime

Nummer 2 | 2012 | ISSN: 1862-3611


  • Am 11. Februar 2012 jährte sich zum ersten Mal die Entmachtung des ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak. Sein Sturz hatte die Protestwelle des Arabischen Frühlings verstärkt, in dessen Rahmen bislang drei weitere Herrscher entmachtet wurden. In Tunesien, Marokko, Ägypten und Kuwait fanden freie Wahlen statt, bei denen islamistische Parteien gewannen; in Libyen, Algerien und Jemen werden ihnen gute Wahlchancen zugeschrieben. Damit setzen sich die islamistischen Parteien sowohl gegen regimenahe Akteure als auch gegen liberale, sozialistische und jugendlich-revolutionäre Oppositionskräfte durch.

    Analyse Aus der bislang größten Krise der autoritären republikanischen Regime im arabischen Raum gehen Islamisten bislang als die eigentlichen Gewinner hervor. Islamismus verkörpert dabei keine homogene Bewegung, sondern tritt regional, ideologisch und konfessionell in verschiedenen Varianten auf.

    • Die Legitimitätskrise der autoritär regierenden Regime, das Partizipationsdefizit nahöstlicher Gesellschaften und der Glaubwürdigkeitsverlust westlicher Politik im Nahen Osten sind maßgeblich verantwortlich für das Aufbegehren im Arabischen Frühling.

    • Reform-islamistische Parteien nehmen dabei die nicht eingelösten Versprechen und Forderungen des Nationalismus nach Unabhängigkeit, Gerechtigkeit, Partizipation, Entwicklung und Würde wieder auf und präsentieren sie in einem "authentisch islamischen" Gewand. Es sind diese politischen Ziele und weniger religiöse Motive, die ihren Aufstieg erklären.

    • Neben den reform-islamistischen Parteien haben sich fundamentalistische Salafisten als unerwartete zweite Kraft etablieren können. Auf den dritten Platz abgefallen, aber keinesfalls abgeschrieben, sind Jihadisten wie al-Qaida, die in den Ländern, in denen die Gewalt eskaliert, eine neue Chance für sich wittern.

    • Bei den Protesten des Arabischen Frühlings zeigen sich jedoch große regionale Unterschiede. Erfolgreich waren die Massenproteste bislang in den homogen sunnitischen Republiken Nordafrikas, nicht jedoch in den Golfmonarchien und in den konfessionell heterogenen ostarabischen Ländern.


    Fußnoten




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