Sigrid Faath / Hanspeter Mattes

Marokkos beachtenswerter Reformprozess seit 2011

Wuqûf-Kurzanalysen, 26, 2015, 1-17

Zusammenfassung

In Marokko findet seit mehreren Jahren ein beachtenswerter Reformprozess statt, der angesichts der Entwicklungen seit 2011 in Syrien, Libyen und Ägypten von der internationalen Öffentlichkeit nur am Rande wahrgenommen wurde. Kern dieses Reformprozesses ist die modifizierte Verfassung von 2011, die zahlreiche Ansätze zur demokratischen Institutionenbildung, mehr Partizipation der Bürger, zur Verankerung von Menschenrechten und zur umfassenden Entwicklung des Landes liefert.

Das strukturverändernde Potential, das in der Verfassung von 2011 steckt, wird allerdings erst langfristig und unter bestimmten Voraussetzungen voll ausgeschöpft werden können. Diese Voraussetzungen sind eng an einen Wandel der Mentalität und des Verhaltens gekoppelt, um zum Beispiel die in der Verfassung verankerte Gleichstellung, die Partizipation des Bürgers auf allen Ebenen oder auch das Konzept der Rechenschaftspflicht und Transparenz voll umzusetzen.

Hinzu kommt der Einfluss weiterer Faktoren: Solange sich die ökonomischen Rahmenbedingungen positiv entwickeln, islamistische Anschläge ausbleiben, folglich der Tourismus boomt und sich die bestehenden Parteien so umstrukturieren, dass sie transparente und am nationalen Gemeinwohl orientierte Organisationen werden, desto schneller und erfolgreicher wird sich der Reformprozess fortsetzen können. Die Möglichkeit hierzu haben die eingeleiteten Reformmaßnahmen jedenfalls geschaffen.

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