Determinanten der Nachfrage nach Mikroversicherungen in Ghana

abgeschlossen
Leitung
Dr. Lena Giesbert
Laufzeit
2008-2011
Förderung
Poverty Reduction, Equity and Growth Network (PEGNet)
DZ BANK Stiftung
Kooperationspartner

Gemini Life Insurance Company (GLICO), Accra, Ghana

Institute of Statistical, Social and Economic Research (ISSER), Accra, Ghana

University of Manchester

Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung, Berlin

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Beschreibung

Forschungsfrage(n)
Aus der zentralen Fragestellung, nämlich unter welchen Bedingungen einkommensschwache Haushalte Mikroversicherungen nachfragen, ergeben sich u. a. folgende Unterfragen, denen das Forschungsprojekt nachgeht:

  • Welche Strategien des Risikomanagements wenden einkommensschwache Haushalte im Umgang mit Tod und Krankheit an?
  • Welche demografischen und sozioökonomischen Eigenschaften der Haushalte (Haushaltsgröße, Zusammensetzung des Haushalts, Wohnort, Einkommensniveau, Bildungsstand usw.) haben einen Einfluss auf die Nachfrage nach Mikroversicherungen?
  • Welche Rolle spielt das Sozialkapital im Sinne des Vertrauens zum Anbieter?
  • Inwieweit wird das Konzept formaler Versicherungen von der Zielgruppe verstanden und akzeptiert, und wovon hängt diese Akzeptanz ab?

Einbettung in die internationale Forschung
Während die Literatur eine Reihe von Beiträgen zu Mikrofinanzen bereithält, hier aber insbesondere Mikrokrediten, wurden Mikroversicherungen bisher vernachlässigt. Die wenigen vorliegenden Veröffentlichungen zum Thema umfassen hauptsächlich deskriptive Fallstudien und sind oft stark an der entwicklungspolitischen Praxis orientiert. Die Nachfrage der Zielgruppe nach Mikroversicherungen bleibt meist unberücksichtigt oder wird als gegeben vorausgesetzt. Die Versicherungsökonomie hält zwar zahlreiche theoretische und empirische Studien zur Nachfrage nach Versicherungen bereit, weist jedoch einen starken Fokus auf Industrieländer auf und bezieht den Kontext von Entwicklungsländern nur unzureichend ein.

Vorgehensweise und Methodik
Das Projekt verbindet qualitative und quantitative Methoden. Im Rahmen einer Pilotstudie wurde in einer Region im südlichen Ghana von Januar bis Februar 2008 eine Umfrage unter 350 Haushalten durchgeführt. Eine erweiterte Umfrage unter 1.030 Haushalten fand von Januar bis April 2009 in drei verschiedenen Regionen statt. Im Oktober 2008 wurden vier Fokusgruppendiskussionen (FGD) durchgeführt. In den FGD wurden insbesondere Meinung und Einstellung der Zielgruppe zum Thema (Mikro-)Versicherung erkundet. In den Haushaltsumfragen wurden u. a. demografische und sozioökonomische Eigenschaften der Haushalte, Nutzung von Finanzdienstleistungen (insbesondere Mikroversicherungen) und weitere Strategien des Risikomanagements erfass.

Ergebnisse der Forschung
Die Daten der Pilotstudie zeigen, dass die Aufnahme von Mikroversicherung, in diesem Fall Lebensversicherung, eng mit der Entscheidung zur Verwendung anderer formaler Finanzdienstleistungen (Sparprodukte, Kredite) zusammenhängt. Aus denselben Daten, wie auch den umfangreicheren Daten von 2009, geht hervor, dass die Aufnahmebereitschaft von Mikrolebensversicherung nicht vollständig den Vorhersagen der klassischen Versicherungstheorie folgt. Damit bestätigen sich Erkenntnisse aus ersten Studien im Bereich der Mikrokrankenversicherung und der landwirtschaftlichen Index-Versicherung. So nehmen risikoaverse Haushalte z.B. mit geringerer (nicht höherer) Wahrscheinlichkeit Versicherung auf. Aufgrund mangelnder Information und mangelnden Vertrauens wird formale Versicherung in der Zielgruppe offenbar selbst als ein Risiko gesehen. Haushalte, die einen höheren Zugang zu Information und sozialen Netzwerken haben, nehmen demnach eher Versicherung auf. Ferner sind auch Faktoren wie die Selbsteinschätzung der Risikosituation seitens der Haushalte, die Erfahrung von Schocks, sowie der Zugang zu anderen Strategien des Risikomanagement (z.B. Remit-tances) für die Nutzung von Versicherungen, wie auch Sparprodukten und Krediten von entscheidender Bedeutung. Obwohl die qualitativen Daten aus den FGD überraschenderweise eine hohe generelle Offenheit gegenüber formalen (Mikro)Versicherungen nahe legen, wird hier ebenfalls die Rolle des Vertrauens für die tatsächliche Aufnahme formaler Versicherungsprodukte bestätigt.

Forschungsschwerpunkt

Institut

Susan Steiner