Jubiläum

Hamburg würdigt herausragende Bedeutung des GIGA

Mit einem Senatsempfang am 10. April 2014 hat die Hansestadt das 50-jährige Bestehen des GIGA gefeiert. Es sprachen unter anderem Bürgermeister Olaf Scholz, Außenminister Frank-Walter Steinmeier und NDR-Chefredakteur Andreas Cichowicz.

Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz hat das GIGA German Institute of Global and Area Studies als "wissenschaftliches Institut mit für Hamburg herausragender Bedeutung" gewürdigt. Bei einem Senatsempfang zum 50-jährigen Jubiläum des Instituts sagte Scholz am Donnerstag im Hamburger Rathaus, mit dem GIGA stehe die vergleichende Regionalforschung in Hamburg nach 50 Jahren und nach Zeiten großen Wandels auf einem soliden Fundament. "Und wir sind dankbar, dass wir dieses Fundament mit dem Auswärtigen Amt, dem politischen Dreh- und Angelpunkt der Außenbeziehungen, als Partner gemeinsam bilden."

Scholz dankte in diesem Zusammenhang allen mit dem GIGA kooperierenden Institutionen in Hamburg, Deutschland, Europa und der Welt. "Die Leistungen des GIGA und dieses Jubiläum wären ohne Sie alle nicht möglich." Rund 150 Gäste aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft waren der Einladung des Ersten Bürgermeisters zum Festakt ins Hamburger Rathaus gefolgt.

Mit kaum einer Institution in Hamburg ist das Selbstverständnis der Stadt als Tor zur Welt so eng verknüpft wie mit dem GIGA. 1964 als Deutsches Übersee-Institut (DÜI) gegründet, ist das GIGA heute ein internationales Institut der sozialwissenschaftlichen Spitzenforschung.

In einer Videobotschaft bedankte sich Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier für 50 Jahre exzellenter Forschung und Politikberatung. "Globalisierung verlangt nach intensiverer Kenntnis all derjenigen Länder, mit denen wir als Partner zusammenarbeiten", sagte Steinmeier, der derzeit Ostasien besucht. "Alexander von Humboldt hat gesagt, die gefährlichste Weltanschauung ist die Weltanschauung derjenigen, die die Welt nie angeschaut haben. Helfen Sie uns weiterhin auch in den nächsten 50 Jahren dabei, unsere Anschauung von der Welt etwas vollständiger zu machen."

Vom Neuen Jungfernstieg aus brechen jährlich Dutzende hochqualifizierte Wissenschaftler auf in die vier Weltregionen Afrika, Asien, Lateinamerika und Nahost. Sie analysieren die Ursachen von Krisen und Konflikten, die sozialen Auswirkungen der Globalisierung und des Klimawandels, den Einfluss autoritärer Regime oder die Machtverschiebungen auf internationaler Ebene. Die Experten des GIGA beraten die Bundesregierung, internationale Organisationen und Entscheidungsträger aus Wirtschaft und Gesellschaft. Sie forschen, mahnen, erklären – wie während des Arabischen Frühlings oder in der Diskussion um Bundeswehreinsätze in Afrika.

Der kommissarische Präsident des GIGA, Detlef Nolte, wies in seiner Rede auf einen Bedeutungsverlust Europas hin. "Auch ohne Kristallkugel wage ich zu prognostizieren, dass die Weltregionen, mit denen sich das GIGA befasst, weiter an Gewicht in der internationalen Politik gewinnen werden, während die relative Bedeutung Europas abnehmen wird", sagte Nolte. Die Globalisierung habe die Welt enger vernetzt, aber auch krisenanfälliger gemacht. Regionalmächte, Regionalorganisationen und regionale Konflikte beeinflussten schon heute die internationale Politik. "Wir wissen nicht, ob die Welt friedlicher oder konfliktträchtiger werden wird. Deshalb müssen wir noch mehr über die Regionen wissen, zu denen das GIGA forscht", sagte Nolte.

Als Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft gehört das GIGA einem Forschungsverbund der wissenschaftlichen Exzellenz an. Auf dem Senatsempfang betonte Karl-Ulrich Mayer , Präsident der Leibniz-Gemeinschaft, die Relevanz des GIGA als hervorragender Botschafter für die deutsche Wissenschaft. "Die Arbeiten des GIGA stärken das Verständnis für andere Kulturkreise und erleichtern dadurch internationale Beziehungen auf politischer, wirtschaftlicher und wissenschaftlicher Ebene", sagte Mayer.

Innerhalb der Sozialwissenschaften setzt das GIGA auf innovative Forschungsrichtungen. So ist es führend in der Vergleichenden Regionalforschung, den sogenannten Comparative Area Studies (CAS). Die Idee: Nicht mehr isoliert über eine Weltregion forschen, sondern wichtige Probleme und deren Lösung im Vergleich zu analysieren. Die Sozialwissenschaften sollten die Welt nicht mehr nur nach westlichen Maßstäben messen, bewerten und mit Theorien erklären, die im Wesentlichen auf der Geschichte Europas und der USA gründen. Im Rahmen der Jubiläumsfeier veranstaltet das GIGA heute und morgen hierzu eine internationale Konferenz in Hamburg und vergibt erstmals den CAS Award für den besten Fachartikel in diesem Bereich

Mehr Informationen:
Festschrift (PDF, 46 MB)
www.giga-hamburg.de/de/50-Jahre-GIGA
GIGA Film "Weltblicke"

Pressekontakt am GIGA:
Frauke Ladleif
Neuer Jungfernstieg 21 | 20354 Hamburg
Tel: +49 (0)40 428 25-770
presse@giga-hamburg.de

Das GIGA – kurz und knapp

Gründung: 1964 als Deutsches Übersee-Institut (DÜI) und Dachorganisation für das Institut für Asienkunde, das Deutsche Orient-Institut, das Institut für Iberoamerika-Kunde und das Institut für Afrika-Kunde.

Reform: 2006 geht das GIGA German Institute of Global and Area Studies aus der Umstrukturierung des DÜI hervor. Es wird gemeinsam vom Auswärtigen Amt, der Hamburger Behörde für Wissenschaft und Forschung und den anderen Bundesländern finanziert.

Neue Forschungsagenda: Im Zuge der Neuausrichtung werden verstärkt weltumspannende Themen in die Agenda aufgenommen: Politische Systeme, Gewalt und Sicherheit, Entwicklung und Globalisierung sowie Internationale Beziehungen.

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