Forschungsteam 1

Demokratische Institutionen

In vielen demokratischen und semi-demokratischen Systemen in Entwicklungsländern ist das direkte demokratische Rechenschaftsverhältnis zwischen BürgerInnen und formalen politischen Institutionen beeinträchtigt. Ökonomische und soziale Ungleichheit bedrohen die verfassungsmäßige Ordnung und die Unabhängigkeit der Justiz. Ungleichheit befördert zudem Klientelismus, Patronage und Korruption sowie einen überproportionalen Einfluss von Lobbygruppen. In vielen Ländern sind parallele informelle Institutionen entstanden, die es bestimmten Interessengruppen ermöglichen, politische Macht zu erlangen und über staatliche Ressourcen zu verfügen, was die Repräsentation schwächerer Gruppen beeinträchtigt. All dies mindert die Qualität einer Demokratie und verhindert eine gerechte und effiziente Bereitstellung öffentlicher Güter.

Vor diesem Hintergrund untersucht das Forschungsteam "Demokratische Institutionen" die Funktionsweise formaler und informeller politischer Institutionen und die Strategien, mit denen BürgerInnen versuchen, die machthabenden Eliten zur Verantwortung zu ziehen. Ziel der Arbeit des Forschungsteams ist es, politische Maßnahmen zu identifizieren, die dazu beitragen, die Zufriedenheit der BürgerInnen mit demokratischen Verfahren zu erhöhen.

Ein Schwerpunkt des Forschungsteams ist die Politik von Wahlen, insbesondere die Bedeutung von Klientelismus und ethnisch beeinflusster Politik. Hier werden zum Beispiel folgende Fragen bearbeitet: Unter welchen Bedingungen ziehen Parteien eine klientelistische Mobilisierung einer programmatischen vor? Wann entscheiden sich WählerInnen lieber für kurzfristige klientelistische Gefälligkeiten als für eine Politik der Umverteilung? Wie versuchen marginalisierte Gruppen politische Repräsentation zu erlangen? Gelingt es besser informierten WählerInnen eher, ihre Forderungen an die Eliten geltend zu machen?

Ein weiteres Thema, das vom Forschungsteam "Demokratische Institutionen" in den Blick genommen wird, sind die Beziehungen zwischen staatlichen Institutionen und Probleme horizontaler Accountability. Ein Charakteristikum jüngerer Demokratien ist üblicherweise das Ungleichgewicht zwischen einer machtvollen Exekutive und relativ schwachen Kontrollinstitutionen, insbesondere (aber nicht ausschließlich) der Gerichte und der Legislative. Diese Machtkonstellation fördert intransparente politische Entscheidungen und bedroht die Demokratie. Entsprechend befassen sich die Mitglieder des Forschungsteams mit Fragen zu Verfassungsänderungen, zur Unabhängigkeit der Justiz und zu Prozessen institutioneller Entwicklung.

Ein dritter Schwerpunkt des Forschungsteams sind politische Teilhabe und widerständige Politik ("contentious politics"), also soziale Bewegungen und Protest. Wir untersuchen, wie sich die lokale Zivilgesellschaft rund um Themen wie Demokratie, Identität und Nachhaltigkeit organisiert und identifizieren die Einflussfaktoren, die zu erfolgreicher Mobilisierung beitragen. Ebenso betrachten wir das Repertoire an Protestformen sowie die Professionalisierung von sozialen Bewegungen.

Unsere Forschung gründet auf Methodenpluralismus und schließt qualitative Methoden wie die teilnehmende Beobachtung, Fokusgruppenuntersuchungen und Interviews ebenso ein wie quantitative Methoden in Form von Umfrage-Experimenten und der Analyse von Datenerhebungen und offiziellen Informationen. Das Team setzt sich zusammen aus AnthropologInnen, RegionalwissenschaftlerInnen und ForscherInnen aus dem Bereich der vergleichenden Politikwissenschaft.

Forschungsprojekte

Federal Ministry of Education and Research (BMBF) | 2014-2016
German Research Foundation (DFG) | 2015 - 2019
EC, 7th Framework Programme (FP7) | 2012 - 2017
EC, Horizon 2020 | 2017 - 2020
DAAD / CAPES (PROBRAL Programme in cooperation with Brazil) | 2014 - 2018