Forschungsteam 2

Autoritäre Politik

Das Leben vieler Menschen auf der ganzen Welt wird durch autoritäre Politik geprägt. Die gleich bleibend hohe Zahl autoritärer Regime in der Welt als eine bloße Aufrechterhaltung des Status Quo zu interpretieren, greift jedoch zu kurz; vielmehr lassen die aktuellen globalen Entwicklungen sehr unterschiedliche dominante Merkmale autoritärer Politik zum Vorschein kommen. Zwei wesentliche Dynamiken charakterisieren die etablierten Autokratien: Auf der globalen Ebene beobachten wir einen steigenden internationalen Einfluss von und eine verstärkte Kooperation und Vernetzung zwischen autokratischen Regimen. Auf nationaler Ebene ist insbesondere die wachsende Zahl formaler Institutionen, v.a. in Wahlen abhaltenden Autokratien, bemerkenswert. Darüber hinaus gab es in einigen demokratischen Systemen eine Aushöhlung politischer Freiheiten und demokratischer Prozesse, was das Entstehen autoritärer Enklaven oder Autoritarismus auf subnationaler Ebene zur Folge hat. Während die Untersuchung politischer Regime auf nationalstaatlicher Ebene empirisch und theoretisch relevant bleibt, gewinnt die Erforschung autoritärer Politik aus der lokalen, regionalen und globalen Perspektive in der Wissenschaft zunehmend an Bedeutung.

Das Forschungsteam "Autoritäre Politik" untersucht die Funktionslogik autoritärer Politik in Staaten auf der ganzen Welt. Unser Ziel ist es, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede dieser Staaten zu analysieren, zum einen mit Blick auf die Merkmale der Regime, ihre Strategien und Praktiken, zum anderen hinsichtlich ihrer Interaktion mit BürgerInnen, sozialen Gruppen und der politischen Opposition. Dabei berücksichtigen wir die Dynamik politischer Entwicklungen, indem wir Transformationsprozesse autoritärer Regime und politische Kurswechsel untersuchen.

Unsere Forschung stützt sich sowohl auf theoretische Ansätze aus der vergleichenden Politikwissenschaft (hier vor allem auf Ansätze des Neuen Institutionalismus) als auch auf soziologische Ansätze aus der Forschung zu Zivilgesellschaft, sozialen Bewegungen und öffentlicher Sphäre. Da autoritäre Politiken auf nationaler, regionaler und internationaler Ebene verflochten sind und sich gegenseitig beeinflussen, greifen wir darüber hinaus auch auf Ansätze aus der Außenpolitikanalyse und den Internationalen Beziehungen zurück.

Zentrale Fragestellungen, die derzeit von Forschungsteammitgliedern bearbeitet werden, sind z.B.:

  • Welche Legitimationsstrategien verfolgen autoritäre Regime, und wie erfolgreich sind sie? Welche Rolle spielen wirtschaftlicher Erfolg und die strategische Verteilung von Ressourcen an ausgewählte Teile der Bevölkerung für die Rechtfertigung politischer Herrschaft? Inwiefern trägt Repression zum Machterhalt bei?
  • Wie kooperieren autoritäre Regime miteinander und wie lernen sie voneinander? Welche Anpassungsprozesse an internationale und regionale Normen können innerhalb der Institutionen und Diskurse von autoritären Regimen beobachtet werden? Wie wirken sich internationale Beziehungen auf regionale Politik und Innenpolitik aus, und welchen Effekt haben transnationale Bewegungen? Welche Elemente autoritärer Praktiken verbreiten sich global durch Diffusionsprozesse?
  • Welche Rolle kommt der Gesellschaft in autoritären Systemen zu? In welchem Verhältnis stehen politische und soziale Akteure mit Institutionen und bilden sie beständige Allianzen? Wie funktionieren zivilgesellschaftliche Organisationen und Akteure und welche Rolle spielt Oppositionspolitik beim Erhalt autoritärer Politik?

Methodisch arbeiten wir mit Einzelfallstudien, um induktiv Hypothesen zu entwickeln oder zu testen. Aufgrund unseres vergleichenden Ansatzes forschen wir sowohl mit kleinen als auch mit mittleren und hohen Fallzahlen. Unser Ziel ist es, theoretische Erklärungsansätze mittlerer Reichweite zu generieren, die nicht nur spezifische Merkmale der Untersuchungsregionen aufzeigen, sondern auch überregionale und möglicherweise globale Muster autoritärer Politik identifizieren.