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FSP 1
Forschungsteam 3: Partizipation und Repräsentation im Kontext von Ungleichheit
Das Gleichheitspostulat politischer Demokratie trifft in den Forschungsregionen des GIGA – Afrika, Asien, Lateinamerika und Nahost – auf Gesellschaften, die durch multiple Ungleichheiten geprägt sind. Dazu zählen neben einem tief greifenden Wohlstandsgefälle vor allem ethnische, religiöse und geschlechtsspezifische Unterschiede. Während diese Gesellschaften in vielen Fällen durch ein hohes Maß an politischer und sozialer Fragilität geprägt sind, verzeichnen andere – unter anderem Indien, Indonesien, Brasilien oder Südafrika – trotz tiefer Ungleichheiten eine vergleichsweise stabile demokratische Entwicklung. Sie scheinen damit allgemeine Erklärungsansätze zu widerlegen, die davon ausgehen, dass Demokratie und Partizipation von einem Grundbestand gesellschaftlicher Homogenität abhängen und soziale Polarisierung als dauerhafte Bedrohung für die Demokratie angesehen werden muss.
Die Gefährdung der Demokratien kann nicht auf die ungelöste „soziale Frage“ reduziert werden; ihre Analyse muss immer auch andere Faktoren einbeziehen. So bleibt die multiple Ungleichheit in den GIGA-Regionen eine wichtige Bedingung für Partizipation, demokratische Repräsentation, Legitimität und Stabilität politischer Institutionen. Denn die in den Forschungsregionen des GIGA inzwischen etablierten Demokratien können in der Mehrzahl nicht als konsolidiert, sondern als fragil angesehen werden. Junge und alte Demokratien sind nicht nur von Qualitätsverlusten betroffen, sondern auch Transitionen in hybride und autoritäre Regime unterworfen.
Das Forschungsteam will deshalb folgenden Fragen im intra-regionalen und cross-regionalen Vergleich nachgehen:
- Welche Bedeutung haben die vielfältigen Ungleichheiten für die staatsbürgerliche Teilhabe am Gemeinwesen und damit auch für die Qualität und die Gefährdung der Demokratie?
- Unter welchen Bedingungen stärkt die Ausweitung politischer Teilhaberechte, zivilgesellschaftlicher Organisationsprozesse sowie der parteipolitischen und sozialen Mobilisierung die demokratische Entwicklung, beziehungsweise
- Welches sind die Bedingungen, unter denen die Ausweitung politischer Partizipation Klientelpolitik, korporatistische Praktiken und populistische Regime mit autoritären Zügen unterstützt?
Theoretische und methodische Ansätze
- Demokratietheorie
- Neoinstitutionalismus, historischer Institutionalismus
- Vergleichende Methode (cross-regional und intra-regional comparisons)
- Qualitative und quantitative Methoden
Aktuelle Forschungsprojekte:
- ANTICORRP: Anti-Corruption Policies Revisited – Global Trends and European Responses to the Challenge of Corruption (Thomas Richter, Christian von Soest, Detlef Nolte, Sabrina Maaß)
- Political regimes, reduction of poverty and inequality (part of WP 8: States and political systems, NOPOOR) (Gero Erdmann, Jann Lay)
- Systematischer Vergleich der Ursachen hybrider Regime in Afrika (Gero Erdmann, Sebastian Elischer, Alexander Stroh)
- Entgrenzte Polity: Partizipation und Repräsentation von Emigranten in ihren Herkunftsländern (Bert Hoffmann in Zusammenarbeit mit der FU Berlin)
- Parteien und Parteiensysteme im frankofonen Afrika (Matthias Basedau, Alexander Stroh)
- Persistenz und Wandel von Neopatrimonialismus in verschiedenen Nicht-OECD-Regionen (Christian von Soest, Nina Korte, Karsten Bechle)
- Parteien und Parteiensysteme in Südostasien: Cleavages, Klientelismus und Institutionalisierung (Andreas Ufen)
Mitglieder des FT 3
Buitrago, Miguel A. (ILAS)
Chmielewska, Karolina (IAS, Doktorandin)
Dodlova, Marina (ILAS)
Elischer, Sebastian (IAA)
Erdmann, Gero (IAA)
Gordin, Jorge P. (ILAS)
Hoffmann, Bert (ILAS)
Korte, Nina (IAS)
Maaß, Sabrina (GIGA)
Rosales, Maria Isabel (ILAS, Doktorandin)
Soest, Christian v.(IAA)
Stroh, Alexander (IAA, Doktorand)
Ufen, Andreas (IAS)
Wegner, Eva (IMES)
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