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FSP 1
Forschungsteam 1: Persistenz und Wandel nichtdemokratischer Regime
Mit dem Auslaufen der „dritten Welle der Demokratisierung“ ist die Zahl nichtdemokratischer Regime weitgehend konstant geblieben. Zudem ist der internationale Einfluss einer Reihe autoritärer Staaten, allen voran der VR China, spürbar gewachsen, während einige vermeintlich etablierte Demokratien so weitgehende Qualitätsverluste erlitten haben, dass sie inzwischen als hybride Regime gelten müssen. Der einstigen Selbstgewissheit des westlichen Demokratiemodells steht zunehmend die Frage entgegen, ob wir einen „Gezeitenwechsel“ zugunsten illiberaler Politikmodelle erleben. Vor diesem Hintergrund gewinnt die empirische und theoretische Auseinandersetzung mit nichtdemokratischen Regimen zunehmend an Relevanz.
Forschungsagenda
Ziel des Forschungsteams ist, die Funktionslogiken autoritärer und hybrider Regime in Nicht-OECD-Regionen zu erforschen, ihre Gemeinsamkeiten und Unterschiede, ihre Wandlungsprozesse und Entwicklungssprünge analytisch zu erfassen. Dabei sollen nicht nur institutionell orientierte Erklärungsansätze reflektiert werden, sondern es sollen auch die relevanten, bisher nur ansatzweise erforschten Legitimationsstrategien, etwa patronageorientierte Machterhaltung, der betreffenden Regime und ihrer Träger untersucht werden. Zum Einsatz kommen ebenso relationale und differenzialsoziologische Ansätze der Zivilgesellschafts-, Assoziations- und Public-Sphere-Forschung sowie Ansätze aus der Sozialen Bewegungsforschung. Zu den zentralen Fragestellungen, welche die Mitglieder des FT im Rahmen von individuellen Projekten bearbeiten, gehören die folgenden:
- Welche Legitimationsstrategien verfolgen autoritäre Regime und mit welchem Erfolg? Welche Rolle spielen in diesem Zusammenhang wirtschaftliche Performanz, die Verteilung von Ressourcen an strategische Gesellschaftsgruppen und die normative Rechtfertigung von Herrschaft und Machterhalt?
- Welche Anpassungsleistungen an internationale und wirtschaftliche Anforderungen sowie damit verbundene Lern- und Interaktionsprozesse sind aufseiten nichtdemokratischer und vor allem autoritärer Regime zu beobachten?
- In welchen Wechselbeziehungen und dauerhaften Verbindungen stehen politische Akteure und Institutionen in nichtdemokratischen Regimen? Welche Governance-Leistungen erbringen insbesondere zivilgesellschaftliche Organisationen und Akteure und welche Rolle spielen sie beim Erhalt nichtdemokratischer Regime?
- Welche Faktoren begünstigen die Entwicklung neopatrimonialer Herrschaftsformen in nichtdemokratischen Regimen?
Die Funktionslogiken autoritärer und hybrider Regime können auch wirkungsvoll über ausgewählte Teilregime, Policy-Felder, Issues oder Konflikte herausgearbeitet werden. Hierfür können Einzelfallstudien zur Generierung theoretischer Erklärungsansätze großen Wert haben. Der Schwerpunkt der Arbeit des Forschungsteams wird jedoch vergleichend (kleine und große Fallzahl) angelegt sein und auf Erklärungsansätze theoretisch mittlerer Reichweite zielen. Dabei wird es nicht zuletzt auch darum gehen, inwieweit sich regionalspezifische Ausprägungen erkennen lassen, die überzeugende Typologisierungen erlauben, oder inwieweit stärker quer zu den Regionen vorfindbare Charakteristika ausschlaggebend sind.
Theoretische Ansätze
- Theoretische und konzeptionelle Ansätze der Autoritarismus-, Demokratie- und Transitionsforschung
- Neoinstitutionalismus; historischer Institutionalismus
- Legitimationstheoretische Ansätze (Weber, Lipset, Easton, Beetham)
- Relationale und differenzialsoziologische Ansätze der Zivilgesellschafts-, Assoziations- und Public Sphere-Forschung (Gosewinkel/Rucht, Armony, Warren, Alexander) sowie Ansätze aus der Sozialen Bewegungsforschung („Political Opportunities Structures Approach“, „Resource Mobilization Approach“, „Contentious Politics“, „Framing“-Ansätze)

Aktuelle Forschungsprojekte:
- Zivilgesellschaftsorganisationen als Unterstützer autoritärer Herrschaft? Ein regionenübergreifender Vergleich (Vietnam, Algerien, Mosambik) (Patrick Köllner, Jörg Wischermann, N.N.)
- Nahöstliche Monarchien: ein konfigurativer Vergleich zu Zusammenbruch und Überleben seit 1945 (André Bank, Thomas Richter, Anna Sunik)
- Ideologischer Wandel und Regimelegitimität in China (Heike Holbig, Maria Bondes, Sandra Heep)
- Autoritäre Regime in Asien aus vergleichender Perspektive (Patrick Köllner)
- Stabilität und Wandel autoritärer Regime: ein systematischer Vergleich von institutionellen und materiellen Einflussfaktoren (Thomas Richter, Viola Lucas, Martin Beck)
Mitglieder des FT 1
André Bank (IMES)
Maria Bondes (IAS)
Marco Bünte (IAS)
Johannes Gerschewski (IAS, Doktorand, assoziiert)
Sandra Heep (IAS)
Bert Hoffmann (ILAS, assoziiert)
Heike Holbig (assoziiert)
Patrick Köllner (IAS)
Viola Lucas (IMES)
Günter Schucher (IAS)
Christian von Soest (IAA, assoziiert)
Anna Sunik (IMES)
Thomas Richter (IMES, Teamsprecher)
Eva Wegner (IMES)
Jörg Wischermann (IAS)
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